Aufbruch und Ankunft im Odenwald

Wieviel Heimat braucht der Mensch im globalen Dorf?

Hohlwege sind Wege, die sich durch den Tritt von Mensch und Tier, durch das Befahren mit Karren und Wagen über jahrhunderte in den Boden eingeschnitten haben. An den Flanken der Hohlwege siedeln sich Sträucher und Gehölze an, die vielen Kleintieren als Unterschlupf und Nahrung dienen. Durch ihr hohes Alter haben Hohlwege neben ihrer ökologischen Funktion auch kulturhistorische und archäologische Bedeutung.

„Durch diese hohle Gasse muss er kommen. Es führt kein andrer Weg nach Küssnacht." spätestens seit Friedrich Schiller den Schweizer Volkshelden Wilhelm Tell diesen Satz sagen liess erfuhren Hohlwege eine staatstragend anmutende Bedeutsamkeit.

Auf alten Wegen

Hohlwege waren zu allen Zeiten bei Kaufleuten gefürchtet und bei Räubern beliebt, denn musste ein Handelsgespann einen solchen Hohlweg passieren hatten die Räuber leichtes spiel. In Reichenbach erinnern alte Wegbezeichungen wie 'Franze-Huhl' (Friedhofstraße) oder einfach nur 'Huhl' (Hahnenbuschstrasse) an ihre Entstehung als 'Hohlwege' die zu den höher gelegenen Weidewiesen und Wäldern führten. Von diesen traditionellen Hohlwegen ist heute nur noch ein kleiner Teil erhalten.

Hohlweg am Hahnenbusch

Hohlwege entstehen bevorzugt auf Lößboden, denn Löß reagiert auf mechanische Beanspruchung sehr empfindlich. Regen spült den zerriebenen Löß aus und die Wege graben sich langsam in den Boden bis die Wände zusehends steiler werden. Wer Lautertal erwandert kann immer wieder mehr oder weniger stark ausgeprägte Hohlwege mit ihrer speziellen Flora und Fauna entdecken.

Aufschlüsse an der Oberfläche geben dem Betrachter einen Einblick in die Entstehungsgeschichte des Bodens. Lößboden ist ein Sediment, das während der letzten Eiszeit vor 115.000 bis 10.000 Jahren vom Wind aus dem Oberrheinischen Tiefland an die Bergstraße und in den Vorderen Odenwald geweht wurde. Wegen der geringen Körnung und des Mineralreichtums sind Lößböden sehr fruchtbar.

Aufschluss

Verborgen unter der Oberfläche bestimmen Bodentyp und Qualität die Vegetation, Grundwasserqualität und sogar den Kohlendioxidgehalt der Luft. Jeder Bodentyp ist mit unterschiedlichsten Eigenschaften ausgestattet und unterscheidet sich hinsichtlich Nährstoffgehalt, Humusanteil und der Körnung enthaltener mineralischer Anteile. So lässt sich z. B. beobachten, dass frischer Lehm, ein Gemisch aus Löß, Sand und Ton, aus bestimmten Gemarkungen in der Sonne funkelt, als sei er mit 'Goldpartikeln' durchsetzt. Tatsächlich handelt es sich dabei um die Verwitterungsreste des 'Odenwälder Granits' und seiner Bestandteile: Feldspat, Quarz und Glimmer - das vergess ich nimmer.

Hohlweg am Hahnenbusch

Jeder Boden ist im Laufe von Jahrtausenden aus verwitterten Gesteinen und abgestorbenen Pflanzenresten entstanden. Aus landwirtschaftlicher Sicht sind die Böden des Vorderen Odenwaldes karg und wenig ertragreich. Dies hemmte die Besiedlung des Odenwaldes, denn wie sollten sich die Siedler ernähren? Hunger war ander Tagesordnung und am Ende des dreißigjährigen Krieges (Westfälischer Frieden 1648) war der Odenwald fast so menschenleer wie zu Beginn seiner Geschichte.

Mit der Ansiedlung von Menschen aus weniger verwüsteten Gebieten sowie dem Ausland konnte das völlige Aussterben der Bevölkerung verhindert werden. Aus der Schweiz, den Niederlanden, aus Schlesien und Thüringen kamen die Siedler. Hugenotten und Waldenser, ihres Glaubens wegen aus Frankreich geflüchtet, waren in den fast ausgestorbenen Dörfern hoch willkommen.