Aufbruch und Ankunft im Odenwald

Wieviel Heimat braucht der Mensch im globalen Dorf?

Als vor knapp 12 000 Jahren die letzte Eiszeit zu Ende ging, wurden in Mitteleuropa die Wälder zum vorherrschenden Vegetationstyp. Je nach Klima, Lage und Bodentyp erfolgte die Bewaldung unterschiedlich schnell. In den Wäldern Lautertals wurden die Lebensräume der Vogelwelt durch Bewirtschaftung stark beeinflusst und überprägt. In den Kulturlandschaften des Odenwaldes kann sich der Vogelschutz daher nicht ausschließlich auf eine Trennung von Naturschutzgebieten einerseits und bewirtschafteten Forsten andererseits beschränken, um die Artenvielfalt insgesamt zu erhalten und zu fördern.

Das Konzert der Vogelstimmen gehört zu den schönsten Naturerlebnissen. Die ersten Arten beginnen bereits vor der Dämmerung zu singen; zahlreiche weitere gesellen sich im Laufe des Tages dazu. Das Hämmern der Spechte gehört zu den häufigsten Walderlebnissen - und das war es dann auch meistens schon, denn die gut getarnten 'Zimmermänner des Waldes' sind im Geäst der Bäume kaum zu erkennen. Am besten gelingen Beobachtungen im Frühjahr vor dem Austrieb der Blätter, wenn sie ihren Standort durch wiederholtes Trommeln verraten.

Singvögel

Die meisten der heimischen Singvögel des Waldes kommen nicht nur ausschliesslich dort vor. Fast alle Arten fühlen sich im gebüsch- und baumreichen Umfeld der Dörfer ebenso wohl wie in den Gärten und Grünlanlagen innerhalb der Siedlungen. Gerade im menschlichen Umfeld ist die Bestandsdichte wegen des guten Nahrungsangebotes oft größer als im Wald.

Herbstfest im WaKiGa

Manche Vogelarten haben sich auf Lebensräume spezialisiert und sind z. B. auf Nadelholz an­gewiesen wie Tannenmeise und Goldhähnchen. Ein schneller Rückgang der Nadel­holz­be­stände würde unmittelbar zu einem Rückgang dieser Arten führen. Andere Arten wie Baumpieper und Gimpel findet man gerne in löckerem Gehölz an Lichtungen oder Waldrand. Kernbeißer und Grauschnäpper z. B. sind im Laubwald weit verbreitet, werden aber häufig übersehen, da sie ungern den Bereich der Baumkronen verlassen.

  • Am Boden stöbernd: Rauhfußhühner, Zaunkönig
  • In Strauchschicht hüpfend: Grasmücken, Fitis
  • Im Krondach hüpfend: Pirol, Meisen, Finken
  • Stammkletterer: Spechte, Kleiber, Baumläufer
  • Wartenjäger: Rotkehlchen
  • Flugjäger: Habicht, Sperber, Mauersegler

Schwalbe - zunehmend bedroht

Vögel hängen in hohem Maße von Strukturen ab. Das heißt, weniger die Baumart per se, son­dern vielmehr die von ihr gebildeten Strukturen (Überschirmung, Deckungsgrad der Ver­jüng­ung, Lücken, Dauerhaftigkeit des Totholzes etc.) sind für das Vorkommen der einzelnen Vogel­arten von Bedeutung.

Häufig begegnet man der Blaumeise in Wald und Garten, da sie sich dem Menschen eng an­ge­schlossen hat. Sie fällt durch die hellblaue Kopfkappe auf. Im Winter kommt sie häufig zu den Futterstellen. In Ermangelung von natürlichen Baumhöhlen zieht sie ihre große Kinderschar gern in geeigneten Nistkästen auf.

Der Buchfink ist ein weithin bekannter Waldvogel. Der Gesang kann in verschiedenen Vari­an­ten auftreten, doch sind Grundrhythmus und Länge angeboren. Ein Sänger beherrscht häufig zwei oder drei Varianten.

Im Volksmund wird der Kleiber wegen seiner Lebensweise und wegen seines Aussehens auch Spechtmeise genannt. Das eigenartige Verhalten, durch Ankleben von Lehm oder anderen Materi­alien den Eingang der Bruthöhle zu verengen, brachte ihm den Namen Kleiber ein.

Ende April bis Anfang Mai vernimmt man den Gesang der ersten Gartenrotschwänze, die aus dem Winterquartier zurückgekehrt sind. Als Höhlen- und Halbhöhlenbrüter ist dieser Rot­schwanz auf Altholzbestände in Wald und Garten angewiesen. Er wird manchmal mit dem Rot­kehl­chen verwechselt.

Die Gesangsaktivität der unscheinbaren sperlingsgroßen Nachtigall ist frühmorgens am höch­sten, sinkt allmählich oder in Stufen zu einem Minimum zwischen 10.00 Uhr und 15.00 Uhr ab, und steigt in den Abendstunden wieder an.

Rotkehlchen sind Bewohner der Strauch- und Unterholzschicht. Manche Männchen singen von höchsten Singwarten aus. Diese so genannten Wipfelsänger sind bei den Vogelhaltern wegen ihrer schönen Stimme sehr beliebt.

Nach der Amsel ist die Singdrossel der häufigste Vertreter der großen Familie der Drosseln, in der wir sehr ausdrucksreiche Stimmen finden. Für die Gesänge der Singdrossel ist kenn­zeich­nend, dass die meisten Motive zwei- bis fünfmal wiederholt werden.

Einige Vogelarten nutzen den Sommer, um gleich ein zweites Mal zu brüten. Sie erhöhen damit die Chance, dass wenigstens eines ihrer Jungtiere den nächsten Winter überlebt, und die län­ger­fristige Fortpflanzung gesichert ist.