Aufbruch und Ankunft im Odenwald

Wieviel Heimat braucht der Mensch im globalen Dorf?

Die Nibelungenstraße ist eine der meistbefahrenen Strassen im Kreis Bergstrasse. Für die Menschen, die heute in den Dörfern entlang ihres Saumes leben, ist sie Fluch und Segen zugleich, denn die Nibelungenstraße ist DIE Lebensader des 'Tälchens'. Mit der Steinindustrie verfügt Lautertal weiterhin über eine alte gewerbliche Tradition. Entlang der Nibelungenstraße gibt es noch heute steinverarbeitende Betriebe in Elmshausen, Reichenbach und Gadernheim die den Generationswechsel weitgehend überstanden haben. Dem Weggang der Ciba Marienberg, der Konsolidierung im Baugewerbe sowie der europaweiten Marktöffnung bei Dienstleistungen hatte die örtliche Heimatverteidigung bislang wenig bis nichts entgegenzusetzen.

Viele der einst zahlreichen klassischen Nahversorger wie Bäcker, Metzger, Lebensmittel, Gärtnerei, Getränkeservice, Schuhgeschäft, Wolleladen, aber auch Handwerkergeschäfte wie Korbmacher, Schneider, Schmied, Leitermacher, Maler oder Maurer konnten der Härte des Wettbewerbs nicht mehr standhalten oder verliessen die Bühne infolge fehlender Nachfolge. Positive Entwicklungen in Handel, Gastgewerbe und Verkehr werden durch den kontinuierlichen Rückgang an Dienstleistungsarbeitsplätzen aufgezehrt, sodass sich die Gesamtzahl der Arbeitsplätze in Lautertal inzwischen auf niedrigem Niveau stabilisiert hat. Die hohe Zahl der Auspendler von rund 2.500 (bei 7.100 Einwohnern) belegt einerseits die Mobilität der Bewohner, andererseits die Wohnqualität der Gemeinde.

Die Nibelungenstraße

Die Strasse ins Lautertal

Lebensader des 'Tälchens'

Ursprünglich war die von Bensheim bis nach Dieburg führende „Weinstraße“ ein besserer Feldweg und wurde schon Jahrhunderte vorher als Transportweg genutzt. Ab ca. 1600 begann man damit einzelne Abschnitte mit Steinpflaster zu befestigen, bis 1839 schliesslich die 'Lautertalstrasse' ausgebaut wurde. Ab 1863 beförderte die 'amtliche Personenpost' gut betuchte Bürger zwischen Bensheim und Lindenfels.

Ortseingang Reichenbach

Mit dem Ausbau einhergehend war die Errichtung von Brücken über die Lauter, die bis dahin mit Hilfe sogenannter 'Schritttsteine' überwunden werden musste. Die Streckenführung wurde weg vom Verlauf der alten 'Weinstrasse' in Richtung Beedenkirchen und Brandau nach Richtung Lautern und Gadernheim mit 'Fernziel' Lindenfels verändert und das Fundament um mehrere Meter höher gelegt. Mit dem Ausbau der Lautertalstraße konnten die Dörfer an der wirtschaftlichen Entwicklung der Bergstraße teilhaben.

Handelsaktivitäten entwickelten sich; Waren, Post und Zeitungen fanden ihren Weg in das einst so stille 'Tälchen'. An den Mühlen, bei der zu Tal fließenden Lauter, siedelten sich mit Ausgang des 19. Jahrhunderts die ersten Industriebetriebe an. Es begann mit der Pappenindustrie, der Farbenindustrie und ab 1881 mit der Steinindustrie. Damit setzte die Umstrukturierung von der bäuerlichen zur gewerblichen Gemeinde ein.