Aufbruch und Ankunft im Odenwald

Wieviel Heimat braucht der Mensch im globalen Dorf?

In der Lautertaler 'Blaufabrik' (Ciba Geigy Marienberg) wurden seit 1852 chemische Stoffe produziert darunter das bekannte 'Waschblau'. 144 Jahre lang war die 'Blaufabrik' (Ciba Marienberg) der wohl wichtigste Arbeitgeber im Tal. Die Geschichte der chemischen Industrie am Standort Lautern begann, als der damals erst 20-jährige August von Ploennies aus Jugenheim in der Bormuths Mühle damit begann durch Brennen einer Mischung aus Kaolin, Schwefel, Glaubersalz und Kohle Ultramarin herzustellen.

Die Nibelungenstraße

Handel, Wandel & Chemie

Lebensader des 'Tälchens'

Nach dem frühen Tod des Gründers wurde die 'Blaufabrik' 1861 in eine Aktiengesellschaft umfirmiert und die Produktion des Ultramarin deutlich verbessert. Nicht überraschend hingegen endete 1996 ein langes Kapitel Lautertaler Industriegeschichte mit der Werksverlegung nach Lampertheim. Von diesem Tiefschlag hat sich die Gemeinde bislang nicht erholt und noch heute prägt die Hoffnung auf die Rückkehr eines Betriebes aus der Schwerindustrie das Idealbild aller Bemühungen um Gewerbeansiedlungen.

Ultramarin

Neben der Steinindustrie lebte man in Lautertal u.a. von der Leinweberei, es gab Rechenmacher, Schindler und andere Handwerker. Die Papierfabrik Tempel gründete sich in einer Wassermühle an der Lauter. Die Familie Tempel hatte bereits 1788 mit dem Kauf einer Mühle bei Gross-Umstadt den Grundstein für ihre spätere Firma in Elmshausen gelegt.

In den 60-er Jahren war die Reinigung des Altpapiers im Vergleich zu heute ein sehr aufwendiges Verfahren. Erst nach ihr konnte mit der Fertigung der Pappe begonnen werden. Im August 2001 kam das Ende. In einer Betriebsversammlung am Reichenbacher Kerbmontag wurde den Mitarbeitern das Aus verkündet. Eine Woche später erhielten sie an der Laderampe ihre Papiere. Und in der Folge konnte es den Beteiligten nur noch um Schadensbegrenzung gehen, nicht mehr um die Rettung der Firma.