Aufbruch und Ankunft im Odenwald

Wieviel Heimat braucht der Mensch im globalen Dorf?

1882 wurde die Steingewinnung am Felsberg und der näheren Umgebung aufgenommen und entwickelte sich zum führenden Erwerbszweig in Lautertal. Die „Seegerhütte“ auf dem Gelände der Seegerruhe ist ein Relikt aus der Blütezeit der Steingewinnung im Felsbergwald, die mit den Brüdern Kreuzer aus Weißenstadt und Böhringer aus Wunsiedel begann.

Im Herbst des Jahres 1881 erwarben die Gebrüder Hergenhahn von der Gemeinde Reichenbach die Rechte zum Abbau im Bereich des Felsberges mit Ausnahme der Felsenmeere und römischen Werkstücke. Mit ihrer Erfahrung aus dem Fichtelgebirge konnten sie die umfangreichen Vorkommen des harten Granitsteins abbauen. Das, in den Jahren 1882/1883 von den Gebrüdern Hergenhahn in Bensheim erbaute, "Granit- und Syenitwerk" musste allerdings schon 1885 an die in Gadernheim tätigen Steinmetzen Böhringer und Kreuzer abgetreten werden.

Die Nibelungenstraße

Die Lautertaler 'Steinzeit'

Lebensader des 'Tälchens'

Die Gebrüder Hergenhahn, Michael Böhringer und Karl Kreuzer hatten zwischen Bensheim und Lindenfels zahlreiche Brüche, Werkstätten und Steinschleifereien errichtet und suchten nach Fachkräften. Bei reger Konjunktur war der „blaue Stein“ des Odenwaldes gefragt und konnte mit modernen Maschinen und Geräten auch erfolgreich bearbeitet werden. Ab 1889 entwickelte sich aus diesem Betrieb die DESTAG, die Zehn Jahre später als Aktiengesellschaft firmierte. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten nahm der Bau von großen Denkmälern und Prachtbauten sprunghaft zu. Dies löste einen Boom in der Steinbranche im gesamten vorderen Odenwald aus.

Granit- und Syenitwerk Eichhorn & Walter in Gadernheim

1936 verlangte der zunehmende Verkehr nach einer weiteren Verbreiterung und Befestigung der Lautertalstraße. In der Folge mussten die Lindenbäume in Reichenbach weichen und 1971/72 verschwand mit dem erneuten Ausbau weitgehend auch die Lauter unter Asphalt. Die dadurch „eingebüsste Romantik“ konnte auch nicht durch die Umbenennung in „Nibelungenstraße“ ausgeglichen werden.