Aufbruch und Ankunft im Odenwald

Wieviel Heimat braucht der Mensch im globalen Dorf?

Im Mittelalter erlebte das Steinmetzhandwerk eine Blütezeit. Neben den Zünften, in denen sich die Meister organisierten, gab es die Bauhütten. Hier waren Baumeister und Bauleute tätig, die an der Errichtung der Bauten mitwirkten. Ab dem 12. Jahrhundert entschieden die Zünfte über die Zulassung zum Beruf. Die Zünfte organisierten und kontrollierten somit das gesamte Handwerk.

Steinmetz

Industrialisierung

Ein vielseitiges Handwerk mit Tradition

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts lösten sich die Zünfte mit der Einführung der Gewer­be­freiheit (Stein-Hardenberg’sche Reformen) auf. Veränderungen im Bereich von Handel und Gewerbe waren notwendig geworden, da die gewerbliche Produktion aufgrund der hemmen­den Zunftvorschriften als nicht mehr entwicklungsfähig eingestuft wurde. Aus dieser Sicht block­ierten die Zünfte als rückständige Handwerksordnung die gesellschaftliche Moderni­sier­ung. Mit dem Oktoberedikt von 1807 wurde deshalb die Gewerbefreiheit in Preußen als erstem Land verkündet. Gewerbefreiheit bedeutete, dass jedermann in jedem Umfang jeden Pro­duk­tions­zweig mit jeder Produktionstechnik eröffnen und betreiben konnte.

Kapitel

Die Gewerbefreiheit machte den Weg frei für Eigeninitiative und Unternehmergeist. Wie die Bauernbefreiung schuf sie jedoch andererseits durch ihre negativen Auswirkungen wesent­liche Voraussetzungen für die Industrielle Revolution. Durch die Industrialisierung kamen z.B. Stein­sägen und Schleifmaschinen zum Einsatz, was die Herstellung von Werksteinen verein­fachte. Mit der Entwicklung der Steinindustrie zum beherrschenden Erwerbszweig im Lautertal stellte sich Anfang des 19. Jahrhunderts auch hier die soziale Frage. Als es 1905/1906 zu einer Aus­sperrung der Steinarbeiter kam musste die junge Gewerkschaftsbewegung in Lautertal eine herbe Niederlage einstecken.