Aufbruch und Ankunft im Odenwald

Wieviel Heimat braucht der Mensch im globalen Dorf?

Die Vorkommen der Hartgesteine wurden durch Steinbrüche an verschiedenen Stellen aufgeschlossen und bildeten Anfang des 19. Jahrhunderts die Grundlage für die Entwicklung der örtlichen Steinindustrie. Borstein und Katzenstein sind die beiden letzten Steinbrüche in denen heute noch Stein abgebaut wird. Die Blöcke werden überwiegend zu Grabsteinen verarbeitet oder zur Gartengestaltung verwendet. Im Sommer 1985 forderte die Lau­tertaler Steinzeit ihre letzten Opfer, als nach einer Sprengung zwei Menschen im Steinbruch Borstein an Kohlenmonoxidvergiftung starben.

Geschichten die bewegen

Teufelsberg & Borstein

Für hiesige Verhältnisse ein Glücksfall ist der Auerbacher Marmor, der sich vermutlich schon vor ca. 390 Mio. Jahren auf dem Meeresboden aus Kalksteinen ablagerte und während der Kristal­li­sation des Odenwald-Grundgesteins eingeschlossen und zu Marmor umgewandelt wurde. Die römischen Steinhauer der Spätantike am Felsberg nutzten den Auerbacher Marmor zur Herst­el­lung der Kapitelle für die mächtigen Säulen des Thronsaals Kaiser Konstantins in Trier. Im Gegen­satz zu den Steinbrüchen in Lautertal wurde der Auerbacher Marmor unterirdisch abgebaut.

Steinbruch am Borstein

Geschichte warf rund um den Felsberg-Borstein-Teufelsberg Höhenzug schon immer lange Schatten: In den Bergwerkstollen im nahe gelegenen Bensheimer Stadteil Hochstädten gab es von August 1944 bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs ein Außenlager des Konzentrations­lagers Natzweiler-Struthof im Elsass. Einige Auerbacher erinnern sich noch, wie griechische Zwangsarbeiter unter Aufsicht von Wachtposten Richtung Hochstädten zum Marmoritwerk getrieben wurden.

Friedensmal

Die Gefangenen – Franzosen, Tschechen und Deutsche – wurden in dem unterirdisch ange­leg­ten Rüstungsbetrieb eingesetzt. Die Betreiberfirma produzierte im Wesentlichen Kreisel- und Kreisel­kontroll­systeme, die man u.a. zur präzisen Steuerung und Stabilisierung der V2-Rakete benötigte, weiterhin Geradlaufapparate für Torpedos, Minenräumgeräte und vieles mehr. Griechische Zwangsarbeiter mussten die unterirdische Fabrikationsstätte zuvor aufbauen. Einige von ihnen liegen zusammen mit gestorbenen KZ-Insassen ausserhalb des Auerbacher Friedhofs begraben. (Auszug aus einem Referat von Dr. Fritz Kilthau)